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Gulaga bērni. Aiz dzeloņdrātīm dzimušie.

Jauna grāmata par gulaga nometnēm un tur dzimušajiem bērniem. Vācu valodā.

Geboren hinter Stacheldraht – Gulag-Kinder

 Meinhard Stark (2013): Gulag-Kinder. Die vergessenen Opfer. Metropol Verlag. ISBN: 978-3-86331-128-5. 488 Seiten. 

Berlin (MOZ) In der Stalin-Diktatur kamen zehntausende Kinder in sowjetischen Straflagern zur Welt. Unzureichend versorgt, hausten sie in Baracken. Auch Konrad Rayß wurde im Gulag geboren. Seine und viele ähnliche Lebensgeschichten gibt es nun als Buch.

 

Leben in der Steppe: Lotte Strub 1952 mit Sohn Konrad vor ihrer Gemeinschaftsbaracke für Verbannte in Karaganda

Als Lotte Strub nach achteinhalb Jahren mit ihrem fünf Monate alten Sohn Konrad aus dem Gulag entlassen wird, wird sie von Malariaanfällen geschüttelt. Bevor sich das Tor öffnet, müssen Mutter und Säugling stundenlang hinter einer Baracke warten. Der starke Wind der kasachischen Steppe treibt Sand vor sich her. Die Mutter weiß nicht, wie sie ihr Kind schützen soll. Das Fieber macht sie immer benommener. “Als ich zu mir kam, lag ich im Krankenhaus. In meinen Armen mein so friedliches Kind”, heißt es im Buch “Gulag-Kinder – Die vergessenen Opfer”, das vor kurzem im Berliner Metropol-Verlag erschienen ist.

Es ist eine der erträglicheren Stellen in dem fast 500 Seiten starken Band über Tod, Trennung und Qualen, die Familien in den 30er bis 50er-Jahren in sowjetischen Arbeitslagern und in der Verbannung erleiden mussten. Der Berliner Historiker Meinhard Stark hat dafür mehr als 100 Gulag-Kinder sowie ihre Mütter und Väter befragt. Bei den Stalin-Opfern handelt es sich um deutsche Kommunisten, die in den 30er Jahren in Moskau ein neues Leben anfangen wollten, aber dort der Spionage bezichtigt wurden. Väter wurden erschossen, Mütter in Arbeitslager gebracht. Kinder verloren vor Trennungsschmerz den Verstand. Mütter begangen in der Haft Selbstmord.

Auch Lotte Strub will im Lager Schluss machen. “Schaff Dir ein Kind an, dann weißt Du, wofür Du lebst”, raten Mithäftlinge. Als Erzeuger wählt Lotte Strub einen Gefangenen. Konrad wird 1946 hinter Stacheldraht geboren. Zu Gesicht bekommt ihn die Mutter, die Zwangsarbeit verrichten muss, nur selten. Selbst nachts bleiben viele Säuglinge in der Kinderbaracke. “Alle sind wund, stark abgemagert und völlig erschöpft vom Schreien”, beschreibt eine Zeitzeugin im Buch die Lagerkrippe. “Die einen wimmern klagend mit dünnen Stimmchen, als ob sie bereits nicht mehr damit rechnen, dass sich jemand um sie kümmert. Andere schreien verzweifelt und ausdauernd, kämpfen verbissen um ihre Rechte. Und einige schreien nicht einmal mehr. Sie stöhnen nur noch wie Erwachsene.”

Die Sterberate in den Lagern ist hoch. Doch Konrad überlebt. Als Zeitzeuge sitzt er 66 Jahre später auf dem Podium der Stiftung Aufarbeitung in Berlin und versucht, mit gebrochener Stimme von der achtjährigen Verbannung zu erzählen, in der er und seine Mutter nach dem Gulag leben mussten. Seine Erinnerungen sind szenenhaft. “Hunger, Einsamkeit und der tägliche Kampf um Kohle bei 40 Grad Minus”, die Eindrücke, die blieben. Die verbannten Familien, die teilweise in Erdhöhlen hausen müssen, haben es außerhalb der Lager noch schwerer, an Brot zu kommen. Die damals 14-jährige Dalia erinnert sich in dem Buch, wie ihre Mutter, die später an Hunger starb, für etwas zu essen die Schühchen und den Mantel ihres dreijährigen Bruders verkaufte. “Weil sie nicht daran glaubte, dass der Kleine das Frühjahr erlebt.”

Lotte Strub findet Arbeit in einer Ziegelei. Ihr Sohn erinnert sich an staubige Landstraßen und überfüllte Sammelunterkünfte und die Angst vor Uniformierten, die ihn bis heute begleitet. Als 1954 Mutter und Kind erlaubt wird, in die DDR überzusiedeln, ist Konrad sieben Jahre alt und spricht kein Wort deutsch. “Trotzdem habe ich bald jedes russische Wort verweigert.” Lotte Strub, die 1934 nach Moskau geflohen war, weil sie sich in Linken-Gruppen gegen die Nazis engagiert hatte, gehört zu den ersten Rückkehrern nach Stalins Tod. Das Protokoll, das die Stasi in Karlshorst nach ihren Berichten anfertigt, verschwindet in einem Panzerschrank. “Es gab ein Schweigegelübde”, sagt Konrad Rayß.

Auch er selbst, der in der DDR Ökonomie studierte, verdrängt lange. Als die Mutter 90 Jahre alt ist, ihre Memoiren aufschreibt und der Sohn für sie alles in den Computer tippt, kommt er emotional an seine Grenzen. Besonders, wenn es um das Schicksal seiner Geschwister geht. Auch im Buch wird die Winternacht 1938 beschrieben, in der Lotte Strub plötzlich von Tschekisten abgeholt wird. Sie darf nur ihre sechs Monate alte Tochter Larissa mitnehmen und muss die vierjährige Lena schlafend zurücklassen. Auf dem Weg zu den Verhören kann die Mutter vor Tränen kaum noch sehen. “Ich dachte ständig an Lena. Wie sie sich im Schlaf an mich geschmiegt und gelächelt hatte – und dass ich sie jetzt alleine lassen musste.” Ihr Baby erkrankt aufgrund der Zustände in der Haft und erhält keinerlei Behandlung. “Man hat meine Schwester umgebracht”, sagt Konrad Rayß heute mit tränenerstickter Stimme.

Bei all dem Schmerz ist der 67-Jährige froh, dass Meinhard Stark seine Familiengeschichte vor dem Vergessen bewahrt hat. “Ich wollte den Müttern eine Stimme geben – auch weil es sonst niemand tut”, sagt der Historiker, der sich schon als Student der Humboldt-Universität mit dem Thema beschäftigt hat. Sehr beeindruckt habe ihn auch die Stärke mancher Gulag-Mutter und ihr Bemühen, trotz all des Grauens ihren Kindern ein wenig Zerstreuung zu ermöglichen. Bis heute hat Konrad Rayß den Holzknopf behalten, den seine Mutter nach seiner Geburt im Gulag an einen dicken Faden gehängt hat. “Das war lange mein einziges Spielzeug.”

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1200854

 

October 11, 2013 - Posted by | grāmatas, gulags, Vēsture

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